Inhaltlich-redaktionelle Plattform

I. Strukturelle Grundsätze

1. SELBSTVERSTÄNDNIS

RUM versteht sich als Freies Radio. Es ist ein unabhängiges, selbstverwaltetes, (basis)-demokratisches, linkes Mitglieder-Radio im Raum Marburg, das unter gemeinnützigen und nichtkommerziellen Gesichtspunkten arbeitet.

2. GEGENÖFFENTLICHKEIT

RUM ist dem Ziel der Gegenöffentlichkeit verpflichtet. Gegenöffentlichkeit orientiert sich an den Interessen der Menschen, die in den bestehenden Medien nicht oder nur unzureichend zu Wort kommen. Der Austausch von Informationen, Erfahrungen und Meinungen, die ansonsten in den Medien unterbleiben, soll gefördert werden.

3. OFFENHEIT

RUM gibt allen Personen und Gruppen im Rahmen dieser Grundsätze die Möglichkeit zu un-zensierter Meinungsäußerung und Informationsvermittlung. Vorrang haben dabei solche Personen und Gruppen, die in den bestehenden Medien keinen oder nur begrenzten Zugang haben.

4. MITGLIEDERRADIO

RUM ist kein Privateigentum, sondern gehört allen Mitgliedern und wird kollektiv verwaltet. RUM strebt die Aufhebung der Trennung zwischen Produzierenden und Hörenden an.

5. UNABHÄNGIGKEIT

Keine Gruppe, Organisation oder Einzelperson darf eine Vorrangstellung im Sender ein-nehmen. Finanzielle, zahlenmäßige oder gesellschaftliche Macht darf nicht genutzt werden, um anderen gesellschaftlichen Gruppen die Beteiligung am bzw die Äußerung über den Sender zu erschweren. Parteien und Kirchen sind von der Mitgliedschaft ausgeschlossen.

6. TRANZPARENZ

Die interne Organisation und die Auswahlkriterien von Sendeinhalten sind durchschaubar und nachprüfbar. Meinungsunterschiede der Redaktionen und der HörInnen sollen über den Sender ausgetragen werden können: JedeR soll die Möglichkeit haben, Konflikte nachzuvollziehen und sich eigenständig eine Meinung zu bilden.

7. NICHTKOMMERZIALITÄT

RUM arbeitet nicht gewinnorientiert. Die redaktionelle Arbeit wird ehrenamtlich erbracht. Kommerzielle Werbung und Sponsoring über den Sender schließen wir aus.

8. LOKALBEZUG

RUM versteht sich als Kommunikationsmittel im überschaubaren lokalen und regionalen Raum. Es orientiert sich an den Entwicklungen in seinem Sendegebiet, beschränkt sich aber nicht darauf. Politische, kulturelle und soziale Gruppen aus dem Sendegebiet können regelmäßig selbständig Sendungen gestalten.

9. KOOPERATION

RUM arbeitet mit Freien Radios im In- und Ausland zusammen und ist Mitglied im Bundesverband Freier Radios (BFR). Die konkurrenzfreie und solidarische Zusammenarbeit mit kritischen Medienschaffenden wird angestrebt.


II. Inhaltliche Grundsätze

1.Alle Redaktionen, Gruppen und Einzelpersonen sind für den Inhalt ihrer Beiträge verantwortlich.

2.Die RadiomacherInnen halten sich an die Grundsätze der Toleranz, der Menschenwürde, der Gleichberechtigung und der Selbstbestimmung. Dies betrifft insbesondere:

a. Das Verhältnis der Geschlechter

RUM tritt patriarchalen Strukturen entgegen und setzt sich für ein herrschaftsfreies Geschlechterverhältnis ein, welches langfristig das starre Denken in Mann-Frau-Kategorien aufheben soll. Sexistische und heteronormative Standpunkte schließen wir aus.

b. Die Beziehungen zwischen Menschen unterschiedlicher Hautfarbe, Herkunft etc.

Jede Form von Rassismus; Antisemitismus und Faschismus lehnen wir ab. Wir wollen derartige Gedanken und Taten aufspüren, dagegen angehen und entschieden Solidarität mit den von Verfolgung und Ausgrenzung Betroffenen zeigen. Die Redaktionen stellen ein interkulturelles Programm zusammen, das soziale und kulturelle Grenzen überschreitet. RUM setzt sich für Strukturen ein, in denen Menschen unterschiedlicher Herkunft, Hautfarbe, etc. nicht mehr klassifiziert und in ökonomischer, sozialer und rechtlicher Hinsicht benachteiligt werden.

c. Das solidarische Zusammenleben

Wir wirken dem allgemeinen Trend zur Vereinzelung und Anonymität in unserer Gesellschaft entgegen. RUM will Alternativen aufzeigen und zum solidarischen Zusammenleben ermutigen.

d. Das Selbstbestimmungsrecht aller Menschen

RUM kritisiert hierarchische und autoritäre Strukturen, insbesondere von Staat, Wirtschaft und Kirche. Wir wirken auf eine Gesellschaft hin, die die selbstbestimmte Entwicklung eines jeden Menschen möglich macht. Vor allem derjenigen Menschen, denen das Leben durch Bevormundung, Benachteiligung und Anpassungsdruck schwer gemacht wird (z.B. Schwulen, Lesben, unter Armut Leidenden, Menschen unterschiedlicher Hautfarbe, religiöser oder politischer Identität, Menschen mit unterschiedlichen psychischen oder körperlichen Merkmalen, Alten, Kindern, u.v.a.).

e. Der Zusammenhang zwischen Mensch und Produktion

Das marktwirtschaftliche System kritisieren wir hinsichtlich seiner entfremdenden und zer-störenden Wirkung auf Mensch und Umwelt. Wir wollen die Spielregeln und die Logik, nach der „unser“ Wirtschaftssystem funktioniert, durchschaubar machen. RUM setzt sich für eine ökologische und sozialverträgliche Wirtschaftsweise ein.

f. Die internationalen Beziehungen

RUM will die Gefahren nationalistischer, auch eurozentrischer Politik anmahnen (z.B. anhand der deutschen Geschichte) und gegen kollektive Verdrängungsmechanismen ankämpfen. Ideen und Strukturen, die Konflikte militaristisch „lösen“ wollen und die den einzelnen Ländern, insbesondere denen des Trikonts, nicht gleichberechtigte und selbst-bestimmte Entwicklung zugestehen bzw. diese unmöglich machen, wollen wir anprangern und wachsam auf solche Tendenzen in allen Bereichen der Gesellschaft reagieren.

g. Den Umgang mit der Sprache

Wir sind uns der gesellschaftlichen Wirkung von Sprache bewusst und wollen eine vorurteilsfreie Sprache verwenden.

h. Darüberhinaus bemühen sich die Produzent/innen bei ihrer Arbeit,
  •  in ihren Beiträgen die strukturellen und inhaltlichen Grundsätze anzuwenden und fortzuentwicklen,
  • in Beiträgen mit informativem Charakter vor allem die Grundsätze der Gegenöffentlichkeit, der Transparenz und des Lokalbezuges anzuwenden und weiterzuentwickeln,
  • in Musikbeiträgen kontrastreiche Musik und Musikstile in deren Lebenszusammenhang einzubinden und eine kritische Auseinandersetzung mit Musikkultur möglich zu machen.

Die Grundsätze wurden durch die Mitglieder von RUM am 22.November 1994 beschlossen und sind bindend für die journalistische, organisatorische und technische Arbeit in den bestehenden und künftigen Organen und Gremien von RUM. Sie können von der Mitgliederversammlung per Beschluss modifiziert werden.

Auf der Mitgliederversammlung am 27.01.2009 wurden Änderungen in den Punkten II.a. und II.b. beschlossen.