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ein kurzer historisch-aktueller Abriss
In vielen Städten der BRD taten sich seit den späten 70er Jahren
Menschen zusammen um Radio zu machen. Diese Freien Radios sendeten
illegal, meist nur für wenige Minuten. Selten überdauerten diese
Radioinitiativen einen Zeitraum von mehr als ein paar Monaten.
Als Ende der 80er Jahre Radio Dreyeckland in Freiburg und Radio Z in
Nürnberg als erste Freie Radios den legalen Sendebetrieb aufnehmen
konnten, wurden neue Perspektiven sichtbar. Seither hat sich die Freie
Radiolandschaft in der BRD stürmisch entwickelt. Von den 32
Mitgliedsinitiativen des BFR (Bundesverband Freier Radios) sind 28 in
der einen oder anderen Form im Äther aktiv. Damit können ca. 10
Millionen Menschen täglich freies Radioprogramm über UKW empfangen.
Die lizenzierten Sendemodelle unterscheiden sich freilich – je nach Bundesland – recht stark.
Die Bandbreite reicht von der eigenen 24-Stunden-Frequenz (wie bei RUM)
über sogenanntes Frequenzsplitting, bei dem Freie Radios über tägliche
Sendezeiten von 4-16 Stunden verfügen sowie eingeschränkte
Mini-Sendefenster bei anderen Stationen (z.B. senden Freie Radiogruppen
regelmäßig in Offenen Kanälen oder im Bürgerfunk in NRW) bis zu einer
Reihe Freier Radioinitiativen ohne reguläre Radiopraxis. Allerdings
suchen letztere nach Möglichkeiten zum Senden. Dabei ist das
traditionelle Piratenradio immer noch gelegentlich anzutreffen (zumal
das Verfolgungsrisiko nicht mehr so hoch zu sein scheint wie früher).
Nicht zuletzt spielt auch die Übertragung von Sendungen im Internet
eine wachsende, wenn auch völlig unbefriedigende Rolle.
Freie Radios sind Sammelbecken vieler unterschiedlicher
Radiointeressierter, oft vertritt nur ein Teil der Aktiven offensiv die
linksalternativen politisch-kulturellen Ansprüche. Durch starke
Präsenz und hohes Engagement können diese Aktiven aber oft die
Außenwirkung und die Entwicklungsrichtung des Radios entscheidend
mitbestimmen. Dennoch ist ein Trend zur Entpolitisierung innerhalb der
freien Radios (und auch bei RUM) feststellbar.
Eine medienpolitische Bewegung zugunsten partizipativer Modelle im
Hörfunkbereich ist derzeit nicht zu erkennen. Für neu hinzukommende
Radiogruppen ist es kaum noch möglich, eine Lizenz als NKL
(Nichtkommerzieller Lokalfunk) zu bekommen. Offene Kanäle wurden z.T.
sogar wieder abgeschafft, in Niedersachsen wurden inzwischen die OKs
und NKLs zum sogenannten ‘Bürgerrundfunk’ zusammengelegt.
Die im Rundfunkstaatsvertrag vorgesehene Gebührenfinanzierung von
NKL wird je nach Bundesland unterschiedlich, z.T. gar nicht umgesetzt.
Nur wenige Länder gewährleisten eine ausreichende Sockelfinanzierung
aus Gebührenmitteln. Die meisten Freien Radios sind deshalb zur Deckung
ihrer Betriebskosten auf Durchführung von Projekten angewiesen.
Unabdingbar für den Sendebetrieb Freier Radios ist in jedem Fall ein
hoher Anteil an Eigenmitteln durch Spenden und Mitgliedsbeiträge.
Für die Freien Radios in Hessen ist 2006 ein richtungweisendes Jahr.
Zum 31.12. enden die Lizenzen in Eschwege, Kassel, Marburg, Frankfurt,
Rüsselsheim und Darmstadt. OB sie danach verlängert werden, ist zwar
nicht ganz sicher, aber doch recht wahrscheinlich. WIE eine
Lizenzverlängerung aussieht, ist hingegen völlig offen. Zum einen ist
die zeitliche Befristung der Lizenz unklar, zum anderen ist eine
Verknappung der finanziellen Zuschüsse nicht ausgeschlossen. Zu
befürchten ist z.B. eine Zweckbindung von Fördermitteln an besondere
Aufgaben. In dieser Hinsicht wird gerne mit dem Schlagwort
‘Medienkompetenz’ hantiert. Nun ist zwar die komplette Alltagsarbeit
Freier Radios eigentlich nichts anderes als Medienkompetenzförderung
(Wo, wenn nicht hier erlernen Laien, eigenverantwortlich und bewusst
mit einem elektronischen Medium umzugehen?), aber das ist bei
medienpolitisch Verantwortlichen in der Regel nicht damit gemeint.
Ein solches Szenario würde heißen, dass wir mit unseren bestehenden
Kapazitäten zusätzliche Aufgaben erfüllen müssten. Welche Folgen das
für andere Arbeitsbereiche bei RUM hätte, liegt auf der Hand. Wir
werden deshalb unser möglichstes tun, um auch 2007 unter den gleichen,
möglichst sogar besseren Voraussetzungen zu senden. Um dieses Ziel zu
erreichen brauchen wir auch EURE Unterstützung.
(st)
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