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Die Wetterprognosen waren eher nicht gut: für diesen Samstag waren Gewitter auf einer Strecke von Baden-Württemberg bis zur Ostsee und damit auch über der Rudolf Bultmann-Str. quasi garantiert, morgens früh um fünf rauschte der Regen, daß mensch hören und sehen verging, und dann offenbarte am Nachmittag der Blick aus dem Fenster heiteres, trockenes, nicht zu heißes Sommerwetter. Das erste Sommerfest von Radio Unerhört Marburg konnte also losgehen.
Die Vorbereitungen waren über mehrere Wochen gegangen: befreundete Initiativen einladen, die Nachbarschaft und das Ordnungsamt informieren und Genehmigungen einholen, das Programm gestalten und die notwendige Infrastruktur organisieren: all das erforderte viel Geduld und Strapazierfähigkeit der Beteiligten. Denn eigentlich waren wir viel zu spät dran gewesen. Dem fielen dann auch prompt zwei eigentlich fest vorgenommene Punkte zum Opfer: das Kinderprogramm und eine Theateraufführung. Doch der Rest konnte sich wirklich sehen lassen: drei Bands, ein Kickerturnier, viele Stände mit Informationsmaterial und unterschiedlichsten Verpflegungsangeboten, und alle hatten ihren eigenen Zeltpavillon oder eine Überdachung. Dazu immer wieder Führungen durch das Funkhaus (wie das ja seit neuestem heißt) mit der Möglichkeit, Radiomachen buchstäblich auch einmal zu begreifen: das alles löste großes Interesse aus und vielfältigen Zuspruch, doch auf jeden Fall weiterzumachen. Auf der Musikbühne machten "The Fat Fiancees Of Madness" den Anfang, eine Formation aus Marburg, deren Name sich in etwa mit "Des Wahnsinns fette Bräute" übersetzen läßt. Mit einem noch etwas kurzem Programm im Gepäck lieferten sie trotzdem einen Debütauftritt ab, der nicht auf modische Beats und Samples setzte, sondern komplex arrangierte und handgemachte Stücke präsentierte. "Nachbar, ebenfalls aus Marburg und schon beim Cafe-Trauma-Bettenhaus-Fest zu Gast gewesen, zogen anschließend die Drehzahl ein wenig an. Deren Mischung aus Surf und punkigen Rock'n'Roll sowie einem SEHR lauten Schlagzeuger ließen allerdings ein etwas unentschlossenes Publikum zurück. Schade, die Band kann mehr. Sozusagen als Topact betraten "The Swoons" aus Wolfhagen bei Kassel die Bühne. Bereits seit Jahren professionell im Geschäft, zogen sie mit Punk und Ska ordentlich vom Leder und brachten mächtig Bewegung in die ersten Reihen. Selbstverständlich wurden alle Auftritte samt des sich anschließenden DJ-Sets live und in voller Länge übertragen und erst gegen 3 Uhr morgens (zwei Minuten, bevor es zu regnen begann) war das erste Radio Unerhört-Sommerfest zu Ende. Fazit: vieles war gut, alles geht noch besser und im nächsten Jahr steigt die Neuauflage. Versprochen ist versprochen. |