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Das erste Juliwochenende ist kein guter Termin für Marburg. Der Streit um den Marktfrühschoppen macht deutlich, was den Rest des Jahres verborgener bleibt, daß viele Marburger BürgerInnen überhaupt nicht daran denken, sich von dem rechtsextremen Gedankengut "ihrer Studentenverbindungen" zu distanzieren. Und zwar kein Fußbreit. Im Gegenteil, es muß mit aller Macht immer wieder dieses Fest sein.
1999 war ich Mitglied des AStA-Kulturreferats. Die Oberstadtgemeinde wollte den Marktfrühschoppen nicht mehr veranstalten und das AStA-Kulturreferat beantragte den Marktplatz als Veranstaltungsort für das erste Juliwochenende, damit die "Studierenden auch mal ein Fest für ihre MarburgerInnen" organsieren könnten. Als ironisches Dankeschön sozusagen für die jahrelangen Mühen der "Oberstadtgemeinde für ihre Studenten". Die Stadt wollte dies unbedingt verhindern. Mit der Begründung "Lärmbelästigung" und zuviele "Großveranstaltungen" in der Innenstadt wurde ein Fest verboten, dass die Jahre zuvor und natürlich die Jahre danach anderen Anbietern wie selbstverständlich erlaubt wurde und wird. In meiner Widerspruchsverhandlung wurde geblufft und auf meine juristische Unkenntnis gehofft. Auf einmal stand eine Geldforderung von mehreren 100 DM gegen mich im Raum, die ich für den Aufwand einer Widerspruchsverhandlung zu zahlen habe, von der aber abgesehen werden könne, wenn ich den Widerspruch zurückzöge. Ich müsse mich nur gleich entscheiden.... Es war zu diesem Zeitpunkt sowieso zu spät, ein vernünftiges Fest zu organisieren. Stattdessen gab es "inoffiziel" genehmigte Bierbänke der Verbindungsstudenten. "Da kann doch niemand was dagegen haben, wenn die herkommen und ein Bier trinken wollen?", meinte damals Herr Möller und wenn die kommen, hat Herr Möller auch tatsächlich überhaupt nichts dagegen, wie alle spätestens seit dem Dt. Burschentag und seinen Ausführung zum Absingen aller drei Strophen des Deutschlandsliedes in diesem Jahr wissen. Daß das Fest - so wie es ist - noch existiert, liegt allerdings an SPD und Grünen. Jedes Jahr stehen sie von neuem ideen- und konzeptlos vor diesem Termin und lassen sich von Herrn Möller an der Nase herumführen, anstatt selbst irgendwann mal Inititiative zu zeigen. Mein Vorschlag damals: AStA, Stadt und Stadtteilgemeinden organisieren ein neues Fest, das anders heißt und woanders stattfindet (Lahnwiesen z.B. oder Unibibliothek). Dieses Fest könnte dann auch wirklich zu einen Fest der Studierenden mit den Marburger Bürgerinnen und Bürgern werden und umgekehrt. Und es würde endlich und konsequent mit dieser beschissenen Tradition brechen, die Marburg am ersten Juliwochende jedes Jahr von neuen heimsucht. Nur, für eine solche Alternative bedürfte es rechtzeitiger Initiative. Und die haben SPD und Grüne nicht, weil sie -wohl nicht ganz zu Unrecht- Prestigeverluste im eigenen Lager befürchten. Dann lieber doch dazugehören: zu den "Bürgern". Von "Gesicht zeigen gegen Rechtsextremismus" will sowieso niemand was wissen, wenn es doch ums \'eigene Volksfest\' mit süßen, bunten Mützen und trolligen Gestalten geht. Wer es doch macht - wie es sich für vernünftige Menschen gehört - muß damit rechnen, gefilmt, eingekesselt, Ingewahrsam genommen oder gebissen zu werden - wird als KrawallmacherIn und ChaotIn denunziert. Rechtsextremismus ist immer woanders, das sehen selbst Verbindungsstudenten so. Ein Sprecher der Rheinfranken, Natusch, meint in einem Interview mit der Unicum 06/01: "Wir sind nicht reaktionär. Wir fühlen uns dem Motto 'Ehre, Freiheit, Vaterland', das wir revolutionär finden, immer noch verpflichtet." Wenn das keine Drohung ist. Na dann, Prost! (patt) |