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Über Feuerwehren, Männerbünde und Berufsverbote Nachdem es anfangs schien, als bliebe es um den diesjährigen Marktfrühschoppen vergleichsweise ruhig, schlugen die Wellen im Nachhinein dann doch noch einmal hoch. Was war passiert? Eine junge Frau, Stadtverordnete der PDS, hatte eine Kundgebung gegen den Marktfrühschoppen angemeldet. Dort waren - wie auf Kundgebungen üblich - Redebeiträge verschiedener Gruppen zu hören, die sich kritisch mit Marktfrühschoppen, Korporationen und Gesellschaft auseinandersetzten.
{mosimage}Ein Beitrag beschäftigte sich mit den ganz "normalen" Formen von Sexismus, Nationalismus und Rassismus, wie sie auch außerhalb von Korporationen oder Rechtsradikalen, in der sogenannten Normalbevölkerung eben, auftreten. In diesem Beitrag wurde nun auch auf männerbündische Strukturen außerhalb von Korporationen eingegangen: \"Zurück zu den Korporationen. Diese seien Männerbünde und würden Frauen nur als schmückendes Beiwerk betrachten, wird immer wieder moniert. Aber betrachtet man sie genauer, die Fußballvereine und Feuerwehren, aber auch die Wissenschaftszirkel und Politgruppen dieser Republik, sind sie etwas anderes? Sexistische Rollenzuweisungen und Ausschlussmechanismen funktionieren wie eh und je, nur dass heute die Legende umgeht, Männer und Frauen seien gleichberechtigt.\" Eine richtige Aussage, dabei noch recht klar formuliert. Für einige anscheinend nicht klar genug, war doch am darauffolgenden Tag in der Marburger Neuen Zeitung zu lesen, Sportvereine und Feuerwehren seien auf der Kundgebung als \"saufende Männerbünde\" betitelt worden und zudem in eine rechte Ecke gestellt worden. Es wird Spekulation bleiben müssen (schlecht geschlafen? die Sonne? der Schoppen?), wie der Redakteur des Artikels auf diese Aussagen kam, ebenso wieso er 2000 BesucherInnen des Marktfrühschoppens zählte, obwohl nur etwa 400 dort waren. Zwei Tage später legte dieselbe Zeitung noch einmal nach und ließ sich den Kreisbrandinspektor dagegen verwahren, dass die Feuerwehren auf der Kundgebung \"sinngemäß als Brutstätten rechtsextremen Gedankenguts diffamiert wurden\". Im selben Artikel durfte sich \"eine Christdemokratin\" an Hetzreden, die \"während der Nazi-Zeit üblich waren\", erinnert fühlen und behaupten, mit \"dem deutschen Grundgesetz seien solche Äußerungen jedenfalls nicht vereinbar\". Soweit so gut. Bis hierhin ja eigentlich auch eine ganz spaßige Angelegenheit, erfüllte es doch zumindest den Verfasser dieses Artikels mit einer gewissen klammheimlichen Freude, täglich die Zeitung aufzuschlagen und zu lesen, die Feuerwehren seien saufende Männerbünde und auch rechtem Gedankengut nicht unbedingt abgeneigt - so ähnlich hatte er sich das bei den Feuerwehren nämlich auch früher schon vorgestellt. Erfreulich auch, dass Henning Köster (PDS-Fraktionssprecher) jetzt Fördermitglied der Feuerwehr ist und die Marburger PDS-Fraktion \"keinerlei Veranlassung, das politische Meinungsspektrum und das Freizeitverhalten innerhalb der Feuerwehr oder in Sportvereinen zu erforschen und zu kommentieren\" sieht. Einfach rührselig, diese Volkstümelei - fast wie im PDS-Mutterland! Nun gehört es jedoch zu dieser Art von Skandaljournalismus, dass Schuldige gesucht und gefunden werden müssen. Da man der Verfasserin des Redebeitrags nicht habhaft werden konnte (der Redebeitrag kam - oh weh - vom Band) und der Redakteur der MNZ schon eine andere Rolle in dieser Provinzposse innehatte, blieb nur die oben genannte Anmelderin der Kundgebung. Diese bekam nun alles ab, musste sich hier erklären und da rechtfertigen - genützt hat es nichts. Da konnte sie noch so gut erläutern, was denn in dem Redebeitrag gesagt worden war, es half genauso wenig wie der Verweis, dass sie mit dem Beitrag eigentlich nichts zu tun habe. Ist der Volkszorn erst entfacht, gibt es kein Halten mehr. Dessen oberster Repräsentant, Burschenfreund und Oberbürgermeister Dietrich \"3-Strophen\" Möller, zögerte auch nicht lange und kündigte ihr in seiner Funktion als Personalchef sogleich die Praktikumstelle im Kulturamt der Stadt. Das klingt schon ein wenig nach Berufsverbot - ist es natürlich auch. Oder besteht hiernach noch die Aussicht, dass während der Regentschaft von OB Möller auch nur irgendeine AnmelderIn einer ihm missliebigen Demo/ Kundgebung etc. bei der Stadt einen Job kriegen kann? Denn mehr, als eine völlig legale, friedliche Kundgebung anzumelden hat auch die besagte PDS-Stadtverordnete nicht getan. Im Gegensatz dazu sind Berufsverbote im höchsten Maße illegal, hat zumindest der Europäische Gerichtshof mal entschieden. Doch wenn es um das Wohl und das Ansehen unseres schönen Marburg geht, kann darauf natürlich keine Rücksicht genommen werden - (vermeintliche) NestbeschmutzerInnen müssen abgestraft werden. Für die Anmelderin bleibt zunächst eigentlich nur zu hoffen, dass sie sich in der Folge vor guten Praktikumsangeboten kaum retten kann. (zls) |