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Wer Radio Unerhört besuchen, das Angebot der Waggonhalle nutzen oder sich beim Baukontor umsehen möchte, kommt zwangsläufig am alten Lokschuppen der Deutschen Bahn vorbei. Während alle übrigen Gebäude auf dem ehemaligen Bahngelände am Ortenberg im Laufe der Zeit neue MieterInnen oder PächterInnen gefunden haben, steht die Wartungshalle immer noch leer.
{mosimage}Manch einE wird sich vielleicht gefragt haben, warum dies so ist. Vor einiger Zeit kursierten schon die wildesten Gerüchte über die weitere Nutzung in der Stadt herum. Zunächst hieß es, sie werde zu einer schicken Großraumdisco ausgebaut. Später fürchteten die beiden erwähnten Kulturinitiativen, sich bald in der Nachbarschaft eines großen Supermarktes zu befinden. Dass dies aufgrund der Nähe des wenig frequentierten Erlenringcenters und des zum Ortenbergcenter namentlich aufgeblasenen Supermarktes auf der anderen Seite der Bahngleise kompletter Blödsinn wäre, konnte da auch nicht beruhigen. Schließlich befinden wir uns in Marburg... Gerüchte hin und her, das Gebäude steht immer noch leer. Und das hat vor allem einen Grund. Weil dort früher eben Loks gewartet und repariert wurden, ist das Erdreich kontaminiert. Es müsste also Geld in die Sanierung des Bodens gesteckt werden. Um die Kosten dieser Sanierung in etwa einschätzen zu können, sind Voruntersuchungen nötig. Und diese kosten ebenfalls. Die Waggonhalle/Theater Gegenstand zum Beispiel haben für eine solche Untersuchung damals 30.000,-- DM gezahlt. Normalerweise müsste die Immobilienfirma der Deutschen Bahn AG als Besitzerin eine solche Voruntersuchung finanzieren. Doch diese weigert sich. Deshalb scheint eine privatwirtschaftliche Nutzung erst mal unwahrscheinlich. Ein Abriss kann ebenfalls ausgeschlossen werden, da der Lokschuppen unter Denkmalschutz steht. Die Bahn AG scheint sich daher für die altbekannte Strategie entschieden zu haben, das \"Objekt\" dem Verfall zu überlassen. Das verursacht keine Kosten und der Wert des Grundstücks kann mit der Zeit noch steigen. Außerdem finden sich für unbebautes Gelände dann wahrscheinlich leichter KäuferInnen. Und so scheint das Schicksal dieses schönen alten Gemäuers mit den vielen Fenstern besiegelt. Wäre da nicht die Marburger Stadtplanung. Diese braucht, nachdem sie in der sogenannten neuen Mitte der Stadt ihr Unheil anrichten durfte, ein neues Betätigungsfeld. Und das heißt Gestaltung der Nordstadt, womit bekanntlich die Bahnhofsgegend gemeint ist. Da sieht es ja bisher wüst nach Bahnhofsviertel aus. Unser Dorf soll aber schöner werden. Auch Zugreisende sollen einen hübschen ersten Eindruck bekommen. Vielleicht gefallen dem noblen Rosenpark einfach die Nachbarn nicht. Wie dem auch sei, nachdem vor einiger Zeit ein Architekturklassenwettbewerb stattgefunden hat, liegen Pläne für das Gebäude, von dem dieser Artikel handelt, in städtischen Schubladen. Und zwar passt es ganz gut zum Konzept, im Städtekonkurrenzkampf mit Gießen die große freie Kulturszene in die Waagschale zu werfen und in der Rudolf-Bultmann-Straße den gewünschten \"Baustein Soziokultur\" auszubauen. Da das Café Trauma verzweifelt nach einer neuen Bleibe sucht, dachten sich die StadtplanerInnen, zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen zu können. Erst mal klingt das ja ganz schick. Kulturzentren in alten Fabrikruinen sind schwer modern, machen was her und gehören im Ruhrgebiet zum Stadtbild (dort findet mensch allerdings eine andere Infrastruktur). Doch hat die Stadt die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Die soziokulturelle Szene Marburgs hat schon vor längerer Zeit beschlossen, sich nicht in einem kleinen Kulturviertel einpferchen lassen zu wollen, auf das die Stadtväter stolz mit dem Finger zeigen können, sondern an der dezentralen Struktur festzuhalten. Dann ist mensch nämlich über die Stadt verteilt präsent. Der Trend, Städte in Wohn-, Arbeits-, Konsum- und Freizeitzonen einzuteilen ist ein Unding, über das sich ein eigener Artikel schreiben ließe. Das Trauma ist auch nicht erpicht darauf, statt einem schwierigen Nachbarn die gesamte lärmgeplagte Ortenberggemeinde am Hacken zu haben. Dagegen ließen sich zwar bauliche Maßnahmen planen, aber ein Schutz gegen im Sommer draußen versammeltes und sich auf dem Heimweg befindendes Publikum bieten sie auch nicht. Über Kosten wurde bisher kein Wort verloren. Ein eventueller Neubau für das Trauma erscheint auf den ersten Blick billiger als die aufwendige Sanierung. Von den laufenden Kosten im Winter reden wir erst gar nicht. Wer in einem Altbau mit vielen morschen Fenstern wohnt und sich jedes Jahr das Gejammer des Vermieters über denkmalschutzgerechte Modernisierung anhören muss, weis was Heizkosten sind. Dem Trauma geht es nicht darum, schicker zu werden. Es braucht nur eben dringend eine neue Bleibe. Und die sollte eine wirkliche Alternative sein. Uns bleibt das Bangen um den Lokschuppen. Aber die Stadtplanung wird sich sicher noch einiges einfallen lassen. Ob das Grund zur Beruhigung ist, müsst Ihr selbst entscheiden! (tipfehler) |