Die heutige Sendung behandelt die abrupteste der finalen staatlichen Sanktionen: die Todesstrafe.
Die kontroverse Diskussion, die seit Jahren aus unterschiedlichster Motivation ĂŒber dieses Thema gefĂŒhrt wird, vermittelt gewollt oder ungewollt leicht den Eindruck, das staatliche Strafsystem jenseits der Exekution sei eine legitime und humane Angelegenheit. Mit Sicherheit ist sie Ausdruck absoluter staatlicher Macht und der Delinquent wird sowohl von Gegnern als auch BefĂŒrwortern mit Empathie bedacht angesichts vermeintlich erlangter Vergeltung.
âAberâ, gibt Foucault in seinem 1974 erschienenen Text âDie zwei Toten Pompidousâ zu bedenken, âdie Guillotine ist in Wahrheit nichts als der sichtbare Gipfel, die rote und schwarze Spitze der hohen Pyramide. Das gesamte Strafsystem ist im Grunde auf den Tod hin ausgerichtet und wird von ihm regiert. Ein Urteilsspruch entscheidet nicht, wie man glaubt, ĂŒber GefĂ€ngnis oder Tod; sondern wenn er das GefĂ€ngnis vorschreibt, dann fĂŒgt er als Möglichkeit hinzu: den Tod. Das GefĂ€ngnis ist keine Alternative zum Tod, es bringt den Tod mit sich. Ein und derselbe rote Faden durchlĂ€uft diese ganze Strafinstitution, die angeblich das Gesetz anwendet, es tatsĂ€chlich jedoch suspendiert: hinter den Toren des GefĂ€ngnisses regieren die WillkĂŒr, die Drohung, die Erpressung, die SchlĂ€ge. Gegen die Gewalt des GefĂ€ngnispersonals haben die Verurteilten nichts mehr als ihre Körper, um sich zu verteidigen, und nur noch ihre Körper zu verteidigen. Um Leben oder Tod, nicht um âBesserungâ, geht es in den GefĂ€ngnissen.â
Ohne die drastischste Form staatlicher Sanktion damit relativieren zu wollen, ist die Debatte um die Todesstrafe nicht gelöst vom Gedanken staatlicher Strafen zu fĂŒhren.



Details - 17grad: Todesstrafe