Interview: Sakuro

Sakuro bei Radio Unerhört Marburg – Zu Gast in der Montags-Frühschicht mit Paul und Shannon

Paul: Wie kommt es zu deinem Künstlernamen?

Sakuro: Der Name kommt tatsächlich aus dem Osten. Vielleicht kennen ein paar die Sushi Bar hier in Marburg „Sakura“… es ist nicht davon! Obwohl ich gerade tatsächlich Sushi dabeihabe! Der Name kommt tatsächlich von Yoh Asakura, das ist eine Manga Figur von der berühmt berüchtigten Serie Shaman King – … kennen jetzt wahrscheinlich mindestens 2 Prozent der Zuhörer. […] Der Name passt irgendwie sehr gut. Der Hauptcharakter war halt auch so ein lockerer Typ, ist immer mit Kopfhörern rumgelaufen und war auch immer in der Schule so ein bisschen außenvor, hat aber immer seinen Plan so im Kopf gehabt. Er konnte auch mit Geistern kommunizieren – also gut, dass kann ich jetzt nicht. Aber es verkörpert für mich so eine Lebenseinstellung. Und den Namen, den habe ich in einer Zeit gewählt, wo mir das ganze Leben einfach viel zu viel war. „Sakuro“ soll mich immer daran erinnern: Ehy, komm…take it easy!

[…] Sakura ist auf Japanisch „die Kirschblüte“, das steht ja auch für Fruchtbarkeit in Japan. Hier in der Stresemannstraße in Marburg sieht man ja auch immer die Kirschblüten – an der Stelle vielleicht auch ein Verweis zu meinem Musikvideo zu „Don’t F*** Wit‘ Ma Energy – das ist auch in der Stresemannstraße gedreht vor wundervollen Kirschbäumen.

Sakuro & Sistar ZuZu – Don’t F*** Wit‘ Ma Energy

Paul: Wie kamst du eigentlich zur Musik? Wie verlief so deine Anfangszeit?

Sakuro: Wir haben Zeit, oder? Es begann vor langer, langer Zeit in der Stadt Wetter. […] Mit 14 Jahren habe ich angefangen Musik zu machen. Ich habe sau viel Musik gehört, bin eher so aus der Rock-Schiene gekommen und hab dann irgendwann angefangen so Old-School Hip Hop zu hören – und irgendwann kam der Wunsch das selber zu machen. Ich will selber irgendwas installieren, eine Formation zu machen, ich habe Bock das selbst zu machen und möchte mir nicht von irgendwelchen Leuten erzählen lassen, dass ich irgendwie tonnenweise Gras rauchen soll…was ich zwar gemacht habe, aber die Motivation war einfach da, selbst Musik zu produzieren. […] Dann gabs die erste Crew, wir waren vier Jungs und haben halt angefangen Musik zu machen. Ich habe damals noch auf Englisch gerapt und hab versucht die Beats selbst zu bauen. Das lief dann eine Weile, hab dann irgendwann deutsch-Mukke gemacht. Und dann kam der Phille Rap – bis heute das Video von mir mit den meisten Klicks auf YouTube! Damit habe ich meine Schulzeit abgeschlossen. Ich muss sagen, ich werde damit heute noch in Verbindung gesetzt und darauf angesprochen. Im ersten Moment ist das immer so: Yo, das bin ich…aber heute mache ich schon andere Mukke! Aber es war einfach was Reales und ich habe einfach darüber gerapt wie meine Schulzeit damals so war. Aber mein Gott, das war mein 19-jähriges Ich was gerade Abi gemacht hat.

[…] Dann ging es nach Berlin erstmal nach der Schulzeit. Ich habe dann 3 Jahre in Berlin gelebt. Ich wusste nur, dass ich kein Bock auf was Systemisches habe. Nach der Schule habe ich mir geschworen, dass ich nie wieder in solch eine Institution gehe! In Berlin habe ich dann vieles studiert. Philosophie, Gender-Studies, Musikwissenschaften, Informatik – mit dem Hintergrund, dass ich mich fortbilden will, aber ohne jemanden Rechenschaft darüber geben muss, dass ich das gemacht habe. Also: Viel studiert, aber keinen Abschluss. Habe aber sehr viel gelernt! Ganz viel auch, was Musikproduktion angeht. Die 3 Jahre Berlin waren sehr prägend für meinen künstlerischen Werdegang. Die Musik die ich heute mache, würde ich ohne Berlin so niemals machen. […]

Shannon: Hast du eine Musikrichtung oder einen Künstler, der dich stark inspiriert hat?

Sakuro: Techno. Diese Trance der Musik und dass man sich darin so verlieren kann. Techno ist eher eine Erfahrung: Du gehst nicht zu einem Konzert, weil der und der Künstler spielt, sondern du gehst in den Club, weil du einfach mal abschalten willst. Du willst nichts hören, deshalb ist es auch so geil, dass Techno so laut ist, weil es in dir drin dann auch ganz schnell ruhig wird. […]

Shannon: Ich habe dich ja schon Live gesehen, im Trauma bei dem Weihnachtskonzert von KuMuMe. Wie ist es für dich in so einem kleinen Kreis vor Freunden zu spielen?

Sakuro: Ziemlich cool! Das was ich von meinen Freunden größtenteils erfahre ist einfach Ehrlichkeit und Unterstützung. Und was wünscht man sich mehr? Ich brauche keine Fans die ich nicht kenne und die weiß Gott wo sind.

Shannon: Wie gehst du mit Kritik um? Du machst ja schon eher, ich sag mal, „speziellere“ Musik. Kommt da viel Feedback zu?

Sakuro: Puh schlecht. Also negatives Feedback, oder Feedback allgemein kommt unmittelbar an! Zum Beispiel bei dem angesprochenen Konzert, da war es richtig lustig…Ich würde meine Musik schon als tanzbar einschätzen, hab den Leuten auch am Anfang gesagt, dass sie gerne tanzen können und ich habe nur die verblüften Gesichter gesehen, so: Ok? Was will er von uns, was macht er da? Ich nehme es tatsächlich mit Humor und will auch schockieren mit der Musik die ich mache. Ich habe auch einfach Sachen erlebt, die andere nicht erlebt haben und von daher empfinde ich das schon als etwas sehr, sehr Gutes, wenn ich die fassungslosen Gesichter sehe. […]

Shannon: Du hast letztens ein Album veröffentlicht, Glückwunsch!

Sakuro: Genau, am 1. Mai 2019 war release. Es ist ein recht düsteres Album. Ich habe jetzt über den Winter so viele Tracks gemacht, dass ich wusste: Ok, ich muss das in zwei Alben packen – der zweite Teil kommt dann im Juni. Der zweite Teil ist viel fröhlicher und auch tanzbarer!

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