Rechte Strukturen in Deutschland und Österreich – Ein Vergleich Teil 2

AFD & FPÖ ein Vergleich
Vortrag mit Stephan Grigat

In Ungarn regiert seit Jahren die als rechtspopulistisch geltende
Fidesz-MPSZ unter ihrem Vorsitzenden Viktor Orbán. Immer wieder sorgen sie mit ihren aggressiven Tönen und Handlungen gegen Flüchtlinge für Aufsehen, ebenso mit ihren antiziganistischen Ausfällen und ihren nationalistischen und antisemitischen Verlautbarungen und Handlungen. Lange Zeit sah es in den Niederlanden danach aus, dass Geerd Wilders und seine als rechtspopulistisch geltende Partij voor de Vrijheid (PVV) einen fulminanten Wahlerfolg erzielen könnten. Marine Le Pen vom Front National (FN) erreichte in Frankreich die Stichwahl – ob sie in der Stichwahl triumphieren wird oder eine herbe Schlappe kassieren wird, steht zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht fest.

Überall in Europa sieht es aus als käme es zu einer Resurrektion
nationalistischen Handelns und Rhetorik, gepaart mit Rassismus,
Antiziganismus, Antisemitismus und Hetze gegen Geflüchtete – im Gewand des sogenannten Rechtspopulismus. Auch in den postnazistischen Staaten der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Österreich scheinen Parteien dieser Couleur fröhlich Urständ zu feiern. Der Kandidat der FPÖ, Norbert Hofer, unterlag nur knapp dem jetzt amtierenden Bundespräsidenten van Bellen und die AfD erzielte fulminante Ergebnisse bei verschiedenen Landtagswahlen in der jüngeren Vergangenheit.

Umso wichtiger ist es unseres Erachtens sich genauer und theoretisch schärfer mit diesen Parteien auseinanderzusetzen. Was sind die programmatischen Inhalte, was sind ihre Strategien? Ist es ein gesamteuropäisches Phänomen oder ein nationales Phänomen? Sind diese oben benannten Parteien alle gleich oder wo liegen ihre Gemeinsamkeiten aber auch ihre Unterschiede? Zu Beginn dieser Auseinandersetzung sehen wir daher eine Konzentration auf die entsprechenden Parteien in den postnazistischen Staaten – nämlich AfD und FPÖ – als sinnvoll an. So existiert die FPÖ bereits wesentlich länger als die AfD – kann man daraus daher etwas für die zu erwartende Wirkmächtigkeit und Entwicklung der AfD ableiten? Wo liegen die Gemeinsamkeiten, wo die Unterschiede dieser Parteien? Was können wir von der Analyse und der Entwicklung der FPÖ über die AfD lernen?


AfD & FPÖ
Antisemitismus, völkischer Nationalismus und Geschlechterbilder


Als ausgesprochen junger Partei ist es für die AfD von zentraler
Bedeutung, mit der FPÖ einen Verbündeten zu haben, der auf
jahrzehntelange Erfahrung im politischen Geschäft zurückblicken kann. Auf Grund der sowohl zu Zeiten Jörg Haiders als auch unter dem heutigen Vorsitzenden Heinz-Christian Strache gesammelten Erfahrungen, wie ein Wählerklientel über den harten Kern von überzeugten Rechtsradikalen hinaus angesprochen werden kann, ist die FPÖ für die AfD ein bevorzugter Partner. Für die FPÖ wiederum bietet sich erstmals die Gelegenheit, dass sich dauerhaft eine erfolgreiche Schwesterpartei in Deutschland etabliert, die zwar rechts von den Unionsparteien agiert, aber anders als etwa die NPD auch auf Bundesebene breitere Wählerschichten anspricht und nicht permanent von einem Verbot bedroht ist.

Der Band „AfD & FPÖ“ analysiert die Politik und Ideologie der beiden Parteien vor dem Hintergrund der Asyl-, Flüchtlings- und Islamdebatte in den Nachfolgestaaten des Nationalsozialismus. Die vergangenheitspolitischen Diskussionen über den Umgang mit dem NS in den beiden Parteien werden ebenso beleuchtet wie die Positionierungen zum Antisemitismus, zu Israel und zur muslimischen Einwanderung. Die Beiträge thematisieren die völkischen, aggressiv-nationalistischen Positionierungen von AfD und FPÖ, die von beiden Parteien proklamierten Geschlechterbilder und Gesellschaftsvorstellungen und die Rolle von studentischen Burschenschaften vor dem Hintergrund des Erstarkens islamistischer Bewegungen.

Stephan Grigat ist Lehrbeauftragter an der Universität Wien. 2016/17 war er Gastprofessor am Moses Mendelssohn Zentrum der Universität Potsdam, 2015/16 Gastprofessor für kritische Gesellschaftstheorie an der Universität Gießen. Er ist der Herausgeber von „AfD & FPÖ. Antisemitismus, völkischer Nationalismus und Geschlechterbilder“ (Nomos-Verlag 2017, 205 Seiten, 28,- Euro), der Beiträge von Julius H. Schoeps, Samuel Salzborn, Marc Grimm/Bodo Kahmann, Juliane Lang, Christoph Kopke/Alexander Lorenz, Heribert Schiedel, Bernhard Weidinger, Karin Stögner, Gerhard Scheit und Franziska Krah enthält

Der Vortrag wurde organisiert Referat für Antirassismus und politische Bildung AStA-Giessen.

Die Sendung wird nach der Erstausstrahlung für eine Woche als Podcast auf unsere Webseite zur Verfügung stehen.

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