Rezension: Der Barbier von Bagdad

Die Oper „Der Barbier von Bagdad“, von Peter Cornelius feierte am Samstag den 28. Januar 2017 Premiere im großen Haus des Stadttheaters Gießens.
Sie erzählt die Liebesgeschichte von Nureddin und Margiana, in die sich ungefragt der Barbier Abel Hassan Ali Ein Bekar einmischt.

Nureddin (Clemens Kerschbaumer) ist unsterblich in Margiana (Karola Pavone) verliebt. Da kommt ihm die Nachricht von Bostana (Marie Siedler) gerade recht, das sich Margianas Vater (Dan Chamandy) zur Mittagszeit in die Moschee zum beten begeben wird. Dadurch wird der Weg frei, doch vorher will sich Nureddin schick machen und bittet Bostana ihm einen Barbier (Philipp Meierhöfer) zu schicken.
Als dieser erscheint rühmt er sich zunächst der Vielzahl an Dingen die er beherrscht und lässt sich nur widerwillig dazu überreden, seine Funktion als Barbier auszuüben. Da er sich auch als Astrologe rühmt warnt er Nureddin heute das Haus zu verlassen und will ihn dann begleiten, als Nureddin sich nicht aufhalten lassen will. Um dies zu unterbinden sagt er seinen Dienern der Barbier wäre krank und müsste dringend gepflegt werden. Mit dieser List kann Nureddin sich nun ungestört auf den Weg zu Margiana machen.

Diese wartet schon sehnsüchtig und wartet darauf das ihr Vater endlich das Haus verlässt. Um die Zeit zu vertreiben singt Mariana ein Lied wie fröhlich sie ist, in das auch ihr Vater einstimmt. Dieser allerdings vor dem Hintergrund das er seine Tochter mit einem alten Freund von ihm vermählen möchte und dieser dafür Brautgeschenke geschickt hat. Endlich verlässt der Vater das Haus und Nureddin und Margiana fallen sich sehnsüchtig in die Arm, während Bostana darüber wacht das sie nicht entdeckt werden. Plötzlich taucht der Barbier auf und beginnt ein Liebeslied zu singen. Unterdessen Martinas Vater nach Hause und züchtigt einen Diener, weil dieser eine Vase zerbrochen hat. Dessen Wehklagen missinterpretiert der Barbier als Hilfeschreie von Nureddin und eilt ins Haus um ihm zu helfen. Dort glaubt er Nureddin wäre ermordet worden und sorgt mit seinen anklagenden Rufen dafür, das der Kalif (Grga Peroš) erscheint. Das Missverständnis kann aufgelöst werden und der Kalif persönlich bestimmt das Nureddin und Margiana heiraten sollen.

„Der Barbier von Bagdad“ war zu seiner Entstehungszeit kein Erfolg beschienen und so wurde die Oper nur einmal zu Cornelius Lebzeiten aufgeführt. Auch heute noch steht diese Oper nicht häufig auf den Spielplänen, so dass die Gießener Inszenierung eine entsprechend seltene Gelegenheit ist.
Dabei wählt die Inszenierung von Roman Hovenbitzer allerdings ein anderes Setting, als die ursprüngliche Version. Diese spielt in einem märchenhaften Bagdad, während Hovenbitzer die Handlung ins Tierreich verlegt. Hierdurch kann zwar vermieden werden Stereotypen zu zeigen, auf der anderen Seite passen dadurch Teile des Gesangs nicht mehr richtig zu den handelnden Sänger:innen. Außerdem ist bei manchen nicht ersichtlich was sie genau darstellen sollen, was sich beispielsweise an Nurdeddins Dienern oder auch dem Kalifen zeigt. Dies stört allerdings in feinster Weise die Handlung und Duncan Haylers Kostüme präsentieren sich farbenfroh und detailverliebt. Dies trifft auch auf sein Bühnenbild zu, das auch im übertragenden Sinne die Rasur von Nureddin zeigt, indem der Barbier die auf der Bühne stehenden Barthaare abrasiert.

Gesanglich können alle Sänger:innen überzeugen, wobei man vor allem bei Clemens Kerschbaumer und Karola Pavone zusätzlich noch eine gelungen schauspielerische Leistung hinzukommt. Für Pavone ist es schon, nach Häuptling Abendwind, die zweite Rolle in der sie eine aufrührerische Tochter spielt. Für die Rolle des Kalifs musste Grga Peroš das fahren mit einem Oxboard lernen. Dadurch kann er sich flüssig und schnell auf der Bühne bewegen, allerdings hat man auch ein wenig die Sorge er könne aus versehen in den Orchestergraben fallen.

Die Premiere der Oper wurde aufgezeichnet und ist zu folgenden Zeiten im Radio zu hören:


Der Barbier von Bagdad
Oper von Peter Cornelius

Stückinfos
Termine / Karten


Dieser Beitrag lief am 30. Januar 2017 in der Frühschicht auf Radio Unerhört Marburg.

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