Kulturbeben Nomvember 2018

Die Novemberausgabe war mal wieder stark geprägt von Theaterberichten die wir uns in Gießen und Marburg angeschaut haben. Außerdem gab es noch einen Bericht über das Fast Forward Theater. Die Themen im einzelnen:

Wartesaal der Träume

Lieder erzählen im besten Falle eine Geschichte und regen unsere Phantasie an. Doch was passiert wenn man unterschiedliche Lieder nimmt, sie verbindet und ein Theaterstück daraus macht?

Informationen zum Stück auf der Seite des Hessischen Landestheater

ABBA - Take a chance on me

Pumuckl – Das Musical

Bei Pumuckl denkt man meist an Sägespäne und die Stimme von Hans Clarin. Was passiert also wenn daraus ein Musical gemacht wird. Nachdem die Musicalversion bereits in München Premiere feierte, kommt diese nun nach Gießen ans Stadttheater. 

Informationen zum Stück auf der Seite des Stadttheater Gießen

Steppenwolf - Born to be wild

Easzy Rider – Drama Schrägstrich Abenteuer

Wer bei dem Titel an den gleichnamigen Film denkt, ist schon drin in dem Bühnenabend den Zens Huber alleine im Mini TaSch präsentiert. 
Von den Parallel zum Film und wie der Abend war, dazu der folgende Beitrag. 

Informationen zum Stück auf der Seite des Hessischen Landestheater

Talking Heads - Road to nowhere

Kurze Interviews mit fiesen Männern

Christian Lugerth hat den gleichnamigen Roman von David Foster Wallace als ein Theaterstück erarbeitet. Wie aktuell die Thematik aus dem Roman von 1999 auch heute noch ist erfahrt ihr im folgenden Beitrag. 

Informationen zum Stück auf der Seite des Stadttheater Gießen

Monty Python - Every sperm is sacred

Fast Forward Theatre

Das Fast Forward Theatre ist vor allem im Bereich Impro-Theater zu Hause. Einen Überblick über die vielen Stücke und vor allem wie man selber Improvisieren lernen kann bietet der folgende Bericht von Rebecca.

Homepage des Fast Forward Theatre

Nina Simone - Feeling Good

Gesamte Sendung

Die gesamte Sendung als Podcast. (Verfügbar bis 14. November 2018)

Kulturbeben Mai 2017

Am 3. Mai lief die erste Ausgabe von

Kulturbeben
Kultur für alle – von allen

Die Themen der Sendung:

Rezension: Die Schmachtigallen landen einen Hit (UA)

Seit nunmehr 20 Jahren ist die Gießener A-Capella Gruppe „Die Schmachtigallen“ schon aktiv.

Am Sonntag den 20. November feierte ihr neues Stück „Die Schmachtigallen landen einen Hit“ Premiere im großen Haus des Stadttheaters Gießen.

Der Beitrag lief am 21. November in der Frühschicht.

Rezension: Romulus der Große

Kurz nach dem 2. Weltkrieg feierte Dürrenmatts Stück „Romulus der Grosse“ Premiere in Basel und auch bei der Premiere, am 12. November, im Stadttheater Gießen merkt man der Inhalt nichts an seiner Brisanz verloren hat.

Im Jahre 476 n.Chr. ist das römische Imperium dem Untergang durch die Germanen geweiht.  Der Kaiser von Westrom Romulus Augustus (Roman Kurtz) schaut auf seinem Landsitz diesem Untergang gleichgültig zu und sorgt sich lieber um die Eierproduktion seiner Hühner. Auch die Botschaft über das näher rücken der Germanen bringt ihn nicht aus der Ruhe, ebenso wie das eintreffen des Kaisers von Ostrom (Pascal Thomas). Immer wieder versuchen seine Familie und seine Minister ihn etwas zu unternehmen, wie die vom Kriegsminister Mares (Jan-Christof Kick) geforderte „totale Mobilmachung“.
In dieser Lage hinein taucht der Hosenfabrikant Cäsar Rupf (Tom Wild) der anbietet das römische Imperium zu retten übernehmen, wenn er im Gegenzug die Hand von Romulus Tochter Rea (Marlene-Sophie Haagen) erhält. Rea zögert zunächst, zumal ihr eigentlicher Verlobter Ämilian (Lukas Goldbach) aus der germanischen Gefangenschaft zurück kehrt. Wegen dieser Gefangenschaft und der dort erledigten Qualen drängt er Rea Rupf zu heiraten und ihre patriotische Pflicht zu erfüllen. Als sie so vom patriotischem Geist erfüllt nachgibt, erklärt ihr Vater, das er dieses Angebot nicht annehmen wird.

Im 2. Teil erfahren die Zuschauer den Grund für Romulus scheinbar gleichgültiges nichts tun im Angesicht der Niederlage.
Schließlich war dies sein Ziel, den Untergang des römischen Imperiums herbei zu führen. Für ihn hat das römische Reich zu einer brutalen und menschenverachtenden Maschine entwickelt die nun endlich für seine Taten bezahlen muss und dessen Opfer jetzt ihre lang erwartete Genugtuung bekommen. Angeekelt von diesem Weg machen sich seine Familie und die Minister auf nach Sizilien zu fliehen, um dort den Widerstand gegen die Germanen zu koordinieren. Allerdings überlebt niemand die Überfahrt und Romulus tröstet sich in der Tatsache das auch er bald sterben wird.
Als die Germanen in Form von Feldherr Odoaker (Harald Pfeiffer) auf seinem Landsitz erscheinen, dass die Germanen gar nicht die Bestien sind von denen immer gewarnt wurde. Beide müssen feststellen das sie Getriebe der Zeit sind, Romulus von der Vergangenheit und Odoaker von der Zukunft seines nach Raum und Blut strebenden Volkes.
So erhält Romulus die, aus seiner Sicht, Höchststrafe in der in Pension geschickt wird.

Das Dürrenmatt dieses Stück vor dem Hintergrund des 2. Weltkrieges geschrieben hat zeigt sich immer wieder an verschiedenen Ecken des Stückes, wie die Ernennung des Kriegsminister zum Reichsmarschall oder die Frage nach der „totalen Mobilmachung“ bzw. dem „totalen Krieg“.
Astrid Jacob gelingt es mit ihrer Inszenierung allerdings auch dem Stück eine hohe Aktualität zu verleihen. Dies zeigt sich in der Charakterisierung von Rea, dies sich stark mit der aktuellen Tendenz von Frauen in nationalistischen Strömungen auseinander setzt. Schließlich will Rea alles für ihr Vaterland tun und ist verärgert als ihr Vater es verbietet mit dem Hinweis man solle aus Liebe heiraten.
Das Kostüm von Rupf erinnert stark an Plantagenbesitzer in den Südstaaten der USA im letzten Jahrhundert und auch seine Haarpracht zeigt Anspielungen auf aktuelle Personen.

Neben dem Inhalt des Stückes überzeugen auch die Schauspieler:innen das Theaterstückes und insbesondere die Leistung von Roman Kurtz macht dieses zu einem sehenswerten Stück.

Weitere Vorstellungen (jeweils 19:30 Uhr):

  • 19. November; 1. Dezember 2016
  • 14., 27. Januar; 4. Februar; 19. März; 2. April 2017

Dieser Beitrag lief am 14. November in der Frühschicht.

Rezension: Ab in den Wald

„Ab in den Wald“ ist ein Musical von Stephen Sondheim, das mehrere Märchen miteinander verwebt. Dabei geht Sondheim über das „Happy End“ hinaus und beschäftigt auch mit dem warum wir Märchen haben bzw. erzählen.
Das Musical aus dem Jahr 1987, ist hier vor allem unter dem Originaltitel „Into the woods“ und der entsprechenden Verfilmung aus dem Jahr 2014 bekannt.
In der deutschen Fassung feierte das Musical, am 29. Oktober 2016 am Stadttheater Premiere.

Im ersten Akt wird von einem Erzähler die Geschichte von einer Bäckerfamilie erzählt die auf Grund eines Fluches keine Kinder bekommen können. In diese Handlung werden die Geschichten von AschenputtelRotkäppchenHans und die Bohnenranke und Rapunzel eingewoben, indem die beiden Dinge von den einzelnen Protagonisten benötigen um ihren Fluch zu brechen. Die Handlung orientiert sich an den Original Erzählungen, was zum Beispiel für Aschenputtels Stiefschwestern Schmerzen bedeutet und der erste Akt mit dem bekannten „Happy End“ endet.

Nach dem „Happy End“ des ersten Akts, zeigt sich im zweiten das sich zwar die Wünsche erfüllt haben, aber mithin auch wieder neue entstanden sind und sich eine gewisse Unzufriedenheit einstellt. Das auftauchen einer Riesin im Königreich und infolgedessen die Zerstörung des Bäckerhauses, sorgt dafür das die brüchige Friedensfassade endgültig zusammen bricht. Die Prinzen kümmern sich beispielsweise weniger um ihre Frauen oder die Riesin sondern besingen lieber ihr Schmachten nach ihren neuen Lieben Schneewittchen und Dornröschen.
Nach mehreren Todesfällen und einem erneuten Fluch der Hexe gelingt es Hans, Rotkäppchen, Aschenputtel und dem Bäcker die Riesin zu bezwingen.
Mit der Erkenntnis das man aufpassen sollte was man sich wünscht und sich den Konsequenzen stellen und damit leben muss, kommt das Musical zum Ende. Das letzte Lied setzt sich dann mit dem Sinn von Märchen, als Erziehungsmittel für Kinder auseinander.

„Ab in den Wald“ hat das grundlegende Problem, das sich um die deutsche Fassung eines ursprünglich englischen Musicals handelt. Dabei ist die Übersetzung von Michael Kunze gut, allerdings muss sie Text auf eine für eine andere Sprache geschriebene Musik legen. Aufgrund dessen wirkt das Musical an einigen Stellen etwas sperrig, beispielsweise wenn die Prinzen von ihren Liebesqualen singen die im Original simpel von Agony singen.

Die Gießener Inszenierung enthält eine tüchtige Portion Wortwitz, beispielsweise aus Star Wars und Wortspiele wie Rapunzel, bei dem es sich einmal um eine Person handelt, aber auch eine Bezeichnung für Feldsalat darstellt. Generell geizt das Bühnenbild von Lukas Noll nicht an Effekten. Während sich vorne die Bühne dreht, wächst im Hintergrund die Bohnenranke in den Himmel und Requisiten schweben von oben herab. Gerade dieser, durch Projektion, erzeugt Effekt wirkt beeindruckend und sorgt so für ein Fortschreiten der Geschichte ohne von der aktuellen Darstellung auf der Bühne ab zu lenken. Wenn die Hexe daran erinnert das dem Bäcker und seiner Frau die Zeit davon rinnt, wirkt das Bühnenbild wie der Rahmen für „Alice im Wunderland“.
Während die Projektionen auf der einen Seite imposantes aufbauen, gibt es von einigen Requisiten einen Tritt vor das Schienenbein, da immer etwas im Raum schwebt und stellenweise wie ein Fremdkörper wirkt.

Für ein Musical ist natürlich die wichtigste Frage ob die Schauspieler:innen gesanglich überzeugen können.
Ja, das können sie nach einer kurzen Einstiegsphase. Den es wirkt als müssten sie erst kurz richtig warm werden, aber dann legen sie los und bringen die Freude die sie mit ihren Rollen haben sehr gut rüber.

Das sich dies auf auch das Premierenpublikum übertragen hat, merkte man an dem häufigen Szeneapplaus und dem begeistertem Applaus am Ende für die Schauspieler:innen.

Knapp drei Stunden Unterhaltung also, die zeigen das Märchen nicht eingestaubt sind und auch als Musical überzeugen können. Den die knapp 30 Jahre die das Stück schon auf dem Buckel hat ist diesem nicht anzumerken.

Weiter Vorstellungen (jeweils 19:30 Uhr):

  • 11., 27. November; 10. Dezember 2016
  • 8. Januar; 3., 25. Februar; 26. März; 6. Mai; 2., 17. Juni 2017

Wer sich mit dem Musical auf das neue Jahr einstimmen möchte, du den bietet das Stadttheater Gießen, mit einer Vorstellung, an Silvester um 18 Uhr die passende Gelegenheit.
Auf für diejenigen denen immer alles zu spät ist, hat das Stadttheater eine Lösung mit einer Vorstellung um 15 Uhr am 9. April 2017.

Dieser Beitrag lief am 07. November in der Frühschicht.

Rezension: All we see (UA)

„All we see (UA)“ ist ein dreiteiliger Tanzabend des Stadttheaters Gießen, das am 08. Oktober Premiere feierte. Das UA steht hier für Uraufführung.

Grundlage dieses Tanzabends ist die Musik von Alan Parson, der sich musikalisch mit der Kurzgeschichte „Der Untergang des Hauses Usher“ von Edgar Allan Poe beschäftigt.
Aber auch die bekannte Rede von Kennedy über die Mondmission, fand Einzug in den musikalischen Rahmen dieses Abends.

Wie dieser Tanzabend ablief und ob es sich lohnt erfahrt ihr in dem folgendem Audiobeitrag.

Der Beitrag lief am 11. Oktober in der Frühschicht auf Radio Unerhört Marburg.

Rezension: Ödipus auf Kolonos/Antigone

Wo das Stück Der Sonne und dem Tod kann man nicht ins Auge sehen endet, macht dieses Stück weiter und setzt die Tragödie fort.
Dabei unterscheiden sich die beiden Stücke an vielen Stellen konträr von einander im Hinblick auf ihre Inszenierung.
Dieses Stück nimmt nicht nur die große Bühne für sich ein, sondern durchbricht dabei auch die vierte Wand, indem es Elemente des griechischen, antikem Theater bedient. So finden sich die Schauspielerinnnen und Schauspieler auch im Zuschauerraum wieder und interagieren von dort auch mit Personen auf der Bühne. Es lohnt sich also bei diesem Stück zentral zu sitzen und gerade am Anfange die Türen im Auge zu haben.

Den durch eine dieser Türen betreten der erblindete Ödipus (Roman Kurtz) und seine Tochter Antigone (Anne-Elise Minetti) die Bühne bei ihrer Suche nach einem Ort an dem sie Ruhe finden und nicht nach kurzer Zeit vertrieben werden. Schließlich gilt Ödipus durch sein Schicksal als unerwünschte Person. In Athen finden die beiden, trotz des Widerstands der BürgerInnen, Zuflucht, da sie vom athenischen Herrscher (Pascal Thomas) empfangen werden. Dort treffen sie auf Ismene (Beatrice Boca), die Schwester von Antigone. Selbst als der Herrscher von Theben Kreon (Tom Wild) und die Töchter von Ödipus entführt, weicht Athen nicht zurück und befreit die beiden. Als Dank sorgt Ödipus dafür dass das Glück Athen wohlgesonnen ist, auch nach seinem Tod.

Unterdessen geht in Theben der Konflikt von Antigones Brüdern Polyneikes und Eteokles weiter und Antigone macht sich mit ihrer Schwester auf den Konflikt zu entschärfen. Vor ihrem Eintreffen stirb allerdings Polyneikes und Kreon verbietet es, unter Strafe, ihn zu bestatten.
Antigone setzt sich über diese Anordnung hinweg und wird dafür eingemauert. In dessen Folge befallen Kreon Selbstzweifel ob diese Strafe gerechtfertigt ist und löst dadurch den Tod von Antigone und ihres Verlobten und Kreons Sohn Haimon.
Am Ende verzweifelt und beklagt Kreon die vielen Tote die durch seine handeln passiert sind.

Aus dem Emsemble stechen vor allem Roman Kurtz und Tom Wild hervor. Kurtz vor allem wegen seinem sicheren und souveränem Auftreten, die seine Augenbinde quasi kompensieren. Zielsicher bewegt er sich über die Bühne und geht dabei mühelos den Hindernissen aus dem Weg.
Wild hingegen überzeugt durch seine Präsenz auf der Bühne und seinen Auftritt als Herrscher der sich von niemanden bedroht fühlt, sondern selber für diesen Effekt sorgt.

Colin Walkers führt mit seinem Bühnenbild auch dort die Geschichte von Ödipus weiter. So ist bei „Der Sonne und dem Tod kann man nicht ins Auge schauen“ als auch hier ein gemeinsamer, überordneter Entwurf sichtbar. trotzdem wird hier die Möglichkeit die die große Drehbühne liefert genutzt und so ein eigenes Profil entwickelt.

Die gemeinsame Aufführung der Stücke „Ödipus auf Kolonos“ und „Antigone“ geht fließend ineinander über, allerdings hätte in diesem Zuge eine Straffung der Handlung gut getan. Patrick Schimanskis Inszenierung startet gut, verpasst allerdings dann einen guten Schlusspunkt zu finden.So stellt sich ab dem erstem Drittel nach der Pause leider das Gefühl ein es möge endlich vorbei sein, bevor sich noch eine weitere Szene die aufkeimende Hoffnung begräbt.

Der Beitrag lief am 10. Oktober in der Frühschicht auf Radio Unerhört Marburg.

 

Rezension: Der Sonne und dem Tod kann man nicht ins Auge sehen

In unruhigen Zeiten besinnt man sich gerne auf die Vergangenheit und versucht zu ergründen wie diese für die Herausforderungen der Zukunft helfen kann.
Das Stadttheater Gießen gestaltet eine solche Rückschau mit der Inzenierung von griechischen Dramen, wie der Theben-Sage. Dieser klassische Stoff bildet die Grundlage für Wajdi Mouawads Theaterstück „Der Sonne und dem Tod kann man nicht ins Auge sehen“, das am 08. September die neue Spielzeit in Gießen eröffnete.

Der Ursprung der Theben-Sage liegt in der Entführung von Europa. Allerdings nicht durch Zeus, sondern durch Kriger in Stierkostümen. Ihr Vater schickt daraufhin seine Söhne, bis auf Kadmos, aus seine Tochter wieder zu finden. Nach dem Tod seines Vaters macht auch Kadmos sich auf den Weg und befragt bei seiner Suche angewiesen seine Suche zu beenden und statt dessen die Stadt der sieben Tore, Theben, zu gründen.
Im zweiten Akt folgt die Geschichte von Laios, einem Nachfahren Kadmos, der aud Theben vertrieben wird und findet auf Peloponnes zuflucht. Dort verliebt er sich in den Sohn von König Pelops und entführt ihn bei seiner Rückkehr nach Theben. Er riskiert für diese Liebe sogar einen Krieg. Diesen überlebt Laios, weil Pelops ihn verschont und statt dessen verflucht durch die Hand seines Sohnes zu streben.
Die Geschicht des Sohnes bildet schließlich den letzten Teil des Stückes, der auf den Namen Ödipus hört.

Das Bühnenbild von Hüseyin Michael Cirpici ist sehr minimalistisch gehalten, besteht es doch nur aus mehren Holzbögen, die an die sieben Tore der Stadt Theben erinnern sollen. Die weiteren Hilfsmittel die in den Stück genutzt werden um beispielsweise rennen zu iminierten, machen das Stück stellenweise zu einer Art Live-Hörspiel.
Da passt auch die hervorragende Leistung der Schauspielerinnen und Schauspieler, die es in vielen Szenen mit ihrer Stimme schaffen die Studiobühne zu füllen. Allen voran Daniel Minetti, der u.a. König Pelops spielt, zeigt eine wunderbare Spielfreude und steckt dabei auch die anderen an.
Zur Inzenierung mit Live-Hörspiel Elementen passt auch, das die wenige Musik live auf im Bühnenhintergrund erzeugt wird.

Mouawads Version der Theben-Sage, merkt man auch den biografischen Hintergrund des Autoren an. In den 70er-Jahren aus dem Libanon geflohen, spiegelt sich Die Sonne und dem Tod kann man nicht ins Auge sehen die Beschäftigung mit Vertreibung und Flucht wieder. Immer wieder wird in dem Stück deutlich das die Personen eigentlich gar nicht fliehen möchten, sondern durch äußere Umstände dazu gezwungen werden. Ebenso ist auch die Sehnsucht nach der Heimat zu finden, obwohl dies für einige nie möglich sein wird dorthin zurück zu kehren.
Die Schilderung von der Verwaltigung von Pelops Sohn ist allerdings nichts für zart besaitete Menschen.

Nach 100 Minuten voll gepackt mit Inhalt fragt man sich am Schluss, ist es jetzt vorbei in doppelter Hinsicht.
Zum einen ob die Handlung jetzt zu Ende ist und zum anderen weil das Ende etwas überraschend kam, so dass es einen Moment dauerte bis der Schlussapplaus einsetzte.

Während das Stück nach der Selbstverstümmelung von Ödipus endet, geht dessen Geschichte in dem Stück Ödipus auf Kolonos / Antigone weiter.

Infos zum Stück und Spielzeiten

Im Audiobeitrag spreche ich fälschlicherweise von „Ödipus auf Kronos“.
Da kam wohl der Trekkie in mir durch.

Richtig ist „Ödipus auf Kolonos / Antigone“.

 

Dieser Beitrag lief am 19. September in der Frühschicht auf Radio Unerhört Marburg.

Rezension: La Traviata

Giuseppe Verdis Oper „La Traviata“ war damals bei seiner Uraufführung 1853 ein Reinfall und wurde erst nach einer Überarbeitung ein großer Erfolg. Diesen wird auch die Inzenierung des Stadttheater Gießen haben. Schließlich wurden die Sängerinnen und Sänger bei der Premiere der Oper am 10. September im großen Haus überwältigend gefeiert.

La Traviate erzählt die Geschichte von Violetta die als Kurtisane in Paris ein ausscheifendes Leben führt. Auf einer der Feiern trifft sie auf Alfredo der sich in sie verliebt und es sogar schafft das sie ihrem alten Leben absagt.
Um ihr neues Leben auf dem Lande zu bezahlen will Violetta ihre Besitztümer verkaufen. Als Alfredo davon erfährt macht dieser sich auf in die Stadt um dies zu verhindern und anderweitig Geld zu bekommen. Unterdessen erhält Violetta Besuch von Alfredos Vater der sie schließlich dazu bringt ihre Laison mit Alfredo zu beenden. Auf einem Fest trifft Alfredo auf Violetta und verhöhnt sie dort vor den Gästen. Ihr Begleiter Baron Douphol ist davon nicht begeistert und fordert Alfredo zum Duell.
Einige Zeit später verschlechtert sich die Tuberkolose Erkrankung von Violetta und sie hat nur noch wenige Stunden zu leben. Kurz vor ihrem Tod erscheint Alfredo, der von ihrem Opfer erfahren hat und so vergisst sie für einen letzten Augenblick ihre Krankheit, bevor sie tot in seine Arme sinkt.

Während die Handlung im Paris des 19. Jahrhunderts spielt, ist die Inzenierung von Wolfram Starczewski modern gehalten. Lukas Nolls Bühnenbild ist dabei zweigeteilt. Der vordere Teil besteht aus einem weißen, sterilen Rahmen, in dem ein Waschbecken die einzige Requisiste ist. Der hinterere Teil wird vor allem für die großen Festszenen genutzt und arbeitet mit großen Spiegeln an der Decke. Auch die Kostümauswahl von Noll gibt der Oper einen modernen Anstrich. Die Inzenierung lässt einige Details der Originalfassung weg, die sich aber aus dem Kontext von selbst erschließen.

Da Violetta fast die gesamte Zeit auf der Bühne präsent ist, lastet auf der Sängerin die sie verkörpert ein besonderes Gewicht. Dorothea Maria Marx schultert dieses Gewicht mit Bravur und bekam dafür auch den angemessenen Applaus. Ihre Präsens auf der Bühne und die gesangliche Leistung ist schon alleine ein Grund sich die Inzenierung anzuschauen. Doch auch die anderen Sängerinnen und Sänger überzeugen auf ganzer Linie, wie Giuseppe Talamo als Afredo bei ‚Libiamo ne’ lieti calici zeigt.

La Traviata lohnt sich auch für Menschen die sich mal an Oper heran trauen möchten. Den Verdis Musik zeichnet sich durch eine Eleganz und Schönheit aus. Das die Oper in italienisch mit deutschen Übertiteln ist, braucht niemanden abzuschrecken schließlich ist Liebe universell und nicht an Sprache gebunden.
Um Karten sollte man sich allerdings rechtzeitig kümmern, da sich die Qualität der Inzenierung schnell rumsprechen wird.

Infos zum Stück und Spielzeiten

Dieser Beitrag lief am 19. September in der Frühschicht auf Radio Unerhört Marburg.

Rezension: Leonce und Lena

Kleinstaaterei prägte die Deutschlandkarte vor über 150 Jahren, als Georg Büchner das sein Lustspiel Leonce und Lena schrieb.
Die Zeiten haben sich zum Glück geändert, aber was macht man nun mit einem Stück  das sich auf dieses Relikt bezieht. Die Inzenierung von Cornelia von Schwerin am Stadttheater Gießen zeigt eine gelungene Möglichkeit das Stück modern zuf die Bühne zu bringen. Welche das ist hört ihr in dem Beitrag.

Dieser Beitrag lief am 23. Mai in der Frühschicht.